Jesus Christus, der Auferstandene

Hausgottesdienste für die Kar- und Ostertage

Für die Feier der Heiligen Woche und des Hohen Osterfestes zu Hause liegen Hefte mit Hausgottesdiensten in der Kirche zum Mitnehmen aus oder stehen hier zum Download bereit.

Wissenswertes zur österlichen Kreuzreiterprozession

Rechtzeitige Vorbereitung

Bereits Wochen vor Ostern suchen viele Reiter die Pferdebesitzer in der nahen und fernen Umgebung auf und holen sich die Zusagen für die Bereitstellung der Tiere. Ein großer Teil der Pferde wird in organisierten Sammeltransporten aus den Regionen um Cottbus, Dresden, Leipzig und Frankfurt herangeschafft. Der Antransport der Pferde erfolgt in der Regel am Karfreitag und Samstag. In Wittichenau und den Dörfern der Umgebung werden aber auch noch eine stattliche Anzahl von Pferden gehalten.

Die meisten Reiter besitzen Geschirre, Sattelzeug, Schabracke und Schwanzschleife selbst oder leihen sich einzelne Stücke. Viele Geschirre sind reich geschmückt und werden über Generationen weitergegeben.

Ein Teil der Pferde wird noch am Sonntagabend verladen und tritt die Heimreise an. Einige werden vom Reiter selbst zurückgeritten. Am Rande des Osterreitens finden sich auch viele Pferdeliebhaber, -besitzer und -händler ein, und so trabt oder fährt am Ostermontag so manches Tier in einen neuen Stall. Es sollte an dieser Stelle auch einmal den vielen Pferdebesitzern gedankt werden, die jedes Jahr ihre Pferde den Kreuzreitern zur Verfügung stellen.

Die Reiter tragen zur Prozession schwarzes Tuch, das heißt Gehrock oder Jackett, schwarze Hose und Stiefel, weißes Hemd mit schwarzer Fliege, Zylinderhut und weiße Handschuhe. Der jeweilige Kreuzträger und seine Begleiter tragen eine weiße Fliege. Beteiligt sich ein Priester an der Prozession, dann in liturgischer Kleidung.

Der Prozessionszug setzt sich wie folgt zusammen:

  • Stadt (deutsche Sprache)
  • Kreuzgruppe (in geraden Jahren wird das Kreuz vom Prozessionsleiter der Stadt - in ungeraden Jahren vom Oberkantor im jeweils ersten Dorf getragen)
  • Land (sorbische Sprache)

Die Pfarrdörfer reiten immer in einer bestimmten Reihenfolge (in 2011): Kotten, Rachlau, Hoske, Sollschwitz, Keula, Dubring, Saalau, Brischko und Dörgenhausen. Im Folgejahr führt dann Rachlau die Prozession an, während Kotten am Ende des Zuges reitet. So wird jedes Jahr gewechselt, woraus sich ergibt, dass das Kreuz in jedem Dorf einmal in 18 Jahren getragen wird.

Die Kreuzreiter aus Stadt und Land sind zahlenmäßig etwa gleich starke Gruppen. So wird das Osterkreuz, die Wesensmitte der Verkündigungsprozession, auch optisch in der Mitte des Zuges getragen. Die Wittichenauer Osterprozession ist zweisprachig und das Kreuz führt gleichsam beide Teile zu einer Einheit zusammen. Stadt und Land tragen je zwei Paar Kirchenfahnen in ihren Reihen. Seit einigen Jahren wird der Kreuzgruppe ein weiteres Fahnenpaar zugeordnet.

Der Weg der Reiterprozession

In den früheren Jahren führte die Prozession weitestgehend über die Totenwege der Gemeinden Es waren Wege, auf denen die Dorfbewohner ihre Verstorbenen zur Beisetzung auf dem Kirchhof ihrer Pfarrei nach Wittichenau brachten. Seit der Fertigstellung der Kapelle in Saalau im Jahre 1954 wird auf dem Rückweg auch durch diesen Ort geritten, vorher ging es von Sollschwitz direkt westlich des ehemaligen Ziegeleigeländes über den Galgenberg nach Wittichenau und dort am Friedhof und Krankenhaus vorbei.

Der Weg nach Saalau über den Galgenberg wurde immer schlechter und vor allem die militärische Nutzung zwang die Prozession seit 1966, die Landstraße nach Wittichenau zu benutzen. Nach Einstellung des Zugverkehrs und der Beräumung des Bahnhofgeländes vor 15 Jahren können die Kreuzreiter von Saalau kommend über den ehemaligen Bahnhof wieder vorbei am Friedhof in die Stadt einreiten. Auch auf dem Weg nach Ralbitz gab es eine Veränderung. Die LPG hatte die Kottener Straße wegen einer Großfläche beseitigt und so erfreut sich die Gemeinde Hoske seit 1974 an der Prozession. Die Ralbitzer Osterreiter benutzen dieselben Wege, nur in umgekehrter Reihenfolge, so dass sich die Prozessionen nicht begegnen.

Wussten Sie schon, dass ...

  • junge Männer in der Stadt ab dem 16. Lebensjahr mitreiten dürfen, auf dem Land ab dem 15. Geburtstag?
  • Kreuzreiter, die zum ersten Mal an der Prozession teilnehmen ein grünes Myrthenkränzchen auf der Brust tragen? Kreuzreiter, die bereits zum 25. Mal mitreiten, tragen einen silbernen Kranz und wer über 50 Jahre die Auferstehungsbotschaft zu Pferd verkündete, den schmückt ein goldener Ehrenkranz.
  • bei vielen Pferden einige Tage vorher die Mähnen mit Strohwickel oder Lockenwickler geflochten und gekräuselt werden?
  • die Glocken bei der Ankunft jeweils beim Überreiten der Flurgrenze zu läuten beginnen?
  • die erste bildliche Darstellung vom Wittichenauer Osterreiten 1865 in der Leipziger Illustrierten Zeitung erschien?
  • bis 1938 abwechselnd ein Jahr der Stadtverordneten-Vorsteher und einmal der Oberschulze der Dorfgemeinden als Kreuzträger fungiert haben soll?
  • früher hinter dem Kreuzträger als Vertreter der Stadt ein Paar der besten Sänger folgte, welches er selbst auswählen konnte?
  • bis 1880 die Wittichenauer Prozession auf dem Heimweg einmal durch den Hof der Kletschkemühle ritt?
  • der silberne Halbmond an vielen Geschirren eine Erinnerung an den Sieg über die Türken 1683 bei Wien sein soll?
  • die Muschel als Schmuck vieler Geschirre ein Symbol der Pilgerschaft ist?
  • früher der Reiter Kandiszuckerstücke an die Kinder verteilten (auch als Bestandteil der Zuckertüten), diese Stücke sollten Steine vom Felsengrab symbolisieren? Die Kinder nannten diese Stücke auf sorbisch "Jerusalemski Klamuschki" (Jerusalemer Steinchen)
  • seit 1968 das Werfen von Ostertüten überwiegend eingestellt wurde, da es zuviel Unruhe verbreitete und den Charakter der Prozession störte?
  • die Verhinderung der Beteiligung an der Prozession durch Krieg oder Armeedienst dennoch als Teilnahme mitgerechnet wurde?
  • zum 400jährigen Jubiläum 1940 erstmalig Priester am Ritt teilnahmen, und zwar Herr Pfarrer Krahl aus Wittichenau und Herr Kaplan Scholze aus Ralbitz?
  • unterwegs u.a. 5 Rosenkränze gebetet und etwa 30 verschiedene Lieder gesungen werden?
  • die deutschen Kreuzreiter ein eigenes Gebetbuch "Lieder und Gebete der Kreuzreiterprozession von Wittichenau nach Ralbitz" und die sorbischen Osterreiter "Österliche Lieder" Ausgabe der sorbischen pastoralen Gemeinschaft haben?
  • jeder Reiter für die Leihgebühr und den Transport des Pferdes bis zu 150 € aufwenden muss und noch etliche weitere Kosten dazukommen?
  • jeder Kreuzreiter eine Haftpflichtversicherung abschließt?
  • schon 1927 eine amerikanische Filmgesellschaft die Kreuzreiterprozession aufgenommen hat?
  • Bürgermeister Matzker 1934 "das traditionelle Osterreiten in den Dienst der Sache stellen" wollte? Pfarrer Krahl rief aber auf: "Kreuzreiter, kündet den ewigen Sieg Christi." 1985 stellte auch Kardinal Meißner bei seinem Besuch zu Ostern das Kreuz in den Mittelpunkt der Reiterprozession. Er ermunterte die Teilnehmer: "Seid kreuz-fidel".

Die Insignien der Kreuzgruppe

Aus Silber getriebene, wappenförmige Schilder, die an daran befindlichen Ketten von dem Kreuzträger und seinen Begleitern auf der Brust getragen werden. Das Schild für den Kreuzträger (fast doppelt so groß wie die beiden anderen) zeigt eine Darstellung des Auferstandenen mit Fahne und hat in der Kette eingearbeitet vier weitere kleine, runde Platten, die ebenso wie die Schilder der Begleiter christliche Symbolik zeigen.

Auf der Rückseite des großen Schildes finden wir folgende Gravur:

Der Kirchgemeinde Wittichenau
von Erzpr. u. Geistl. R. Sieber
in Fürstenau kr. Breslau
einem Sohne der Gemeinde

—  Ostern 1940

Besondere Kreuzverehrung

Auf dem Rückweg von Ralbitz wird von der Wittichenauer Prozession eine besondere Form der Kreuzverehrung durchgeführt. Zwischen Schönau und Sollschwitz sprechen die Männer auf den Pferden zunächst Gebete und singen eine Litanei zum Lobe des Kreuzes. Der Kreuzträger übergibt einem ausgewählten Reiter das Osterkreuz, der mit demselben zu Fuß bis an die Spitze des Zuges eilt. Von dort beginnend reicht er jedem der über 400 Reiter das Osterkreuz zur Ehrenbezeugung auf das Pferd. Auf diese Weise verehrt jeder Reiter persönlich das Kreuz und hat es symbolisch mitgetragen. Da sich der Prozessionszug dabei ständig fortbewegt, also kein Halt eingelegt wird, muss der, der das Kreuz reicht, ein sehr gutes Gefühl für Pferd und Reiter haben und dabei eine beachtliche sportliche Leistung erbringen.

Veröffentlichung aus dem Wittichenauer Wochenblatt vom April 1990, redaktionell überarbeitet